journal FRANKFURT

Nanette Scriba, Mainzer Songpoetin, wurde von der Farbenvielfalt und dem Licht der Kapverden inspiriert, nach zwanzig Jahren eine Aquarellserie zu malen. Ihre Kunstwerke, die den Alltag und die Anmut der Inselbewohner darstellen, umfassen 26 Bilder, die den poetischen Geist der Kapverden widerspiegeln und ihre musikalische Karriere bereichern.

Die Mainzer Songpoetin Nanette Scriba über die Inspiration der Kapverden zu ihrem ersten Aquarellzyklus.

UNTERWEGS INS LICHT

DUNKELHÄUTIGE KREOLINNEN in leuchtend bunten Flatterkleidern, zum Niederknien schön, Mädchen mit kunstvoll gescheitelten Rastafri- suren, barfüßige Jungen, die auf der Dorfstraße spielen, Fischerfrauen, die den morgendlichen Fang auf ihren Köpfen vom Strand zur Fischhalle balancieren – sie alle sind schuld“! Sie waren der Auslöser dafür, dass mich, 20 Jahre nach meinem Kunst- studium, die Lust an der Malerei wie- der gepackt hat. Und zwar heftig. Anfang 2006 verbrachte ich zum ers- ten Mal mehrere Wochen auf den Kapverden. Und war so fasziniert von der Anmut und Natürlichkeit der Ein- heimischen, von den Farben Afrikas, von der überwältigenden Macht des Lichts, dass ich einfach malen muss- te. Und so streifte ich bei Hitze, Staub und Wind durch die engen Gassen und sammelte: flüchtige Szenen des kapverdischen Alltags, Augenblicke, in denen sich Geschichten verbergen, Momente, die einen unnennbaren poetischen Reiz haben. Sammelte in Form von Skizzen und Digitalschnapp- schüssen, die ich dann an einem ru- higen, windgeschützten Ort auswer- ten und zu Aquarellen komponieren und verdichten konnte. Ein Zyklus von 26 Bildern ist bisher daraus ent- standen – und ich habe das Gefühl, mit diesem Thema noch lange nicht fertig zu sein! Singen werde ich na- türlich weiterhin (nun auch hin und wieder kapverdische Lieder), aber ich freue mich schon wieder auf die nächs- te Session mit Pinsel und Farbe, auf die dunkelhäutigen Kreolinnen in den Flatterkleidern, auf die Mädchen, die Jungen…!
Nanette Scriba

Unterwegs ins Licht
Mainz, Altstadt, Galerie Lehnert, Schön- bornstraße 14, 5.5., 11 Uhr (Matinee mit Nanette Scriba). Die Bilder sind bis 22.5. zu sehen. www.altstadt-galerie-mainz.de

Ähnliche Beiträge

  • Main Echo

    700-Milliarden-Dollar-Mann: soll das US-Rettungspaket umsetzen S.3 Mittelpunkt Menschen: »Abschied« von Mireille Jautz (links) und Gerd Steinles Bild »Vier« gehören zu den Arbeiten von insgesamt fünf Künstler, die ab morgen bei DPD Art in Aschaffenburg zu sehen sind. Ausstellung: Fünf Künstler zeigen ihre Arbeiten bei DPD Art in Aschaffenburg – Eröffnung am morgigen Mittwoch Mittelpunkt Mensch…

  • AZ Mainz / Wiesbadener Tagblatt

    In der Altstadtgalerie Lehnert in Mainz verbinden sich bei der Ausstellung „Movimento“ die tiefgründigen, figürlichen Aquarelle von Nanette Scriba, die die Schönheit und den Moment zelebrieren, mit den ironischen, beweglichen „LowTech Instruments“-Skulpturen von Charly-Ann Cobdak, die den Betrachter in eine Welt voller Erfindungsgeist und spielerischer Technik entführen. ALTSTADTGALERIE Dynamische Arbeiten von Nanette Scriba und Charly-Ann…

  • stuz

    Eine vielseitige Künstlerin

    Die in Mainz geborene Musikerin und Malerin Nanette Scriba lebt die Hälfte des Jahres auf den Kapverdischen Inseln und malt dort,
    inspiriert von Licht, Farben und Menschen.

    von Inken Paletta

    „Meine vier Geschwister und ich sind mit
    Chormusik, Instrumenten und Kunst auf-
    gewachsen, denn mein Vater war Kantor und
    Organist an der Mainzer Johanniskirche, meine
    Mutter eine leidenschaftliche Malerin“, erzählt
    Scriba. Während ihrer Schulzeit am Rabanus-
    Maurus-Gymnasium in Mainz lernte sie Geige
    und brachte sich selbst das Gitarrespielen bei.
    Ihre Leidenschaft für französische Chansons
    entstand während mehrerer Familienurlaube in
    Südfrankreich. „Mit der Zeit habe ich mir ein
    großes Repertoire an Chansons, zum Beispiel
    von George Brassens oder Catherine Le Fores-
    tier, angeeignet und bin damit auch öffentlich
    aufgetreten“, erzählt sie. Nach dem Abitur be-
    gann Scriba ein Studium der Kunsterziehung
    und Kunstgeschichte an der Universität Mainz
    und startete parallel auch als Chansonsängerin
    durch. Neben französischen Chansons hat es ihr
    auch die Musik von Singer-Songwritern wie
    Paolo Conte, Leonard Cohen oder Suzanne Vega
    angetan. „Außerdem haben mich die ironisch-
    frechen Songs von Nina Hagen inspiriert. Ihre
    Songs zu interpretieren, war für mich als Kanto-
    rentochter, aber auch als Musikerin ein Befrei-
    ungsschlag“, erzählt sie schmunzelnd.

    Poesie verpackt in Musik

    Ihr erstes Album mit französischen Chansons er-
    schien 1981. Ein Jahr später gewann sie beim
    weltweit ausgeschriebenen Chansonwettbewerb
    der Alliance Francaise in Paris in der Kategorie
    Europa den ersten Preis. Mit der Zeit wuchs in ihr
    der Wunsch, sich auch deutschsprachigen Texten
    zu widmen und einen eigenen Stil zu entwickeln.
    Sie begann deutsche Lyrik und Gedichte zu verto-
    nen. Später fasste sie den Mut, eigene Songs zu
    schreiben. „Deutsche Texte sind sperrig. Sie zum
    Klingen zu bringen und den Esprit der französi-
    schen Chansons zu transportieren, war anfangs
    eine Herausforderung“, erinnert sie sich. Musika-
    lisch kombiniert Scriba gerne verschiedene Stile:
    So treffen poetische Chanson-Einflüsse auf Pop
    und Jazz. „Meine Lieder handeln von dem, was
    ich erlebt habe. Sie erzählen von magischen Mo-
    menten, skurrilen oder faszinierenden Begeg-
    nungen, aber auch von Melancholie oder weni-
    ger schönen Dingen.“ Gerne spielt Scriba in ihren
    Songs auch mit Humor und Ironie. „Mein Lied
    über die Schickis nimmt beispielsweise die Pro-
    miwelt auf die Schippe“. Nach einem Kontaktstu-
    dium der „Popularmusik“ an der Musikhochschu-
    le Hamburg folgten erste Auftritte im deutschen
    und ausländischen Fernsehen, zum Beispiel 1994
    in einer großen chinesischen Fernsehshow. Ein
    Jahr später strahlte das polnische Fernsehen ein
    halbstündiges Special über sie aus. Ihre Version
    der Barockarie „Cold Song“ schaffte es sogar
    schon als Hintergrundmusik, neben Songs von
    Sting, Klaus Nomi und Sindad O’Connor, in eine
    Tatort-Folge und wurde 2014 bei der Präsentati-
    on der Herbst-Winter-Kollektion von Dominic
    Louis auf der New York Fashion Week verwendet.
    Mit dem Sänger und Pianisten Dirk Raufeisen
    stand Scriba zudem als Duo auf der Bühne und
    veröffentlichte drei Alben, darunter das Album
    „Mit brennender Geduld“ (2001). Außerdem trat
    sie mit ihrer Band auf, zu der neben Raufeisen
    auch die Musiker Dirko Juchem (Saxophon) und
    Tobias Schirmer (Schlagzeug) gehörten.

    Die Kapverden als Inspirationsquelle

    Auf die Kapverden, eine Inselgruppe im Atlanti-
    schen Ozean, verschlug es Scriba im Jahr 2005
    hingegen eher zufällig. „Mein Mann und ich ver-
    bringen den Winter gerne in wärmeren Gefil-
    den.“ Inzwischen ist die kapverdische Insel Maio
    ihr zweites Zuhause. Die restliche Zeit lebt sie
    auf einem Weingut in Wiesbaden-Frauenstein
    im Rheingau. „Das besondere Licht, die Farben
    und die Anmut der Menschen auf den Kapver-
    den haben mich begeistert und motiviert, wie-
    der Pinsel und Farbe in die Hand zu nehmen.
    Seitdem widme ich mich ausschließlich der Ma-
    lerei“, verrät Scriba. Am liebsten malt sie an ih-
    rem großen Tisch mit Blick aufs Meer, anfangs
    mit Aquarellfarben. Heute bevorzugt sie Acryl.
    „In Acryl zu malen gibt mir Freiheit. Ich kann
    endlos korrigieren und übermalen. Meine Figu-
    ren werden dadurch plastischer. Der Hinter-
    grund dagegen verschwimmt wie beim Aquarell
    durch eine spezielle Lasurtechnik“, erzählt sie.
    Inspiration für neue Bildideen findet sie in eige-
    nen Fotografien, die sie auf ihren Streifzügen
    über die Insel sammelt. Doch die Kapverden bie-
    ten nicht nur ein paradiesisches Bild, erklärt sie.
    „Viele Menschen außerhalb der Hauptstadt le-
    ben oft in Armut. Die jungen Leute in der Stadt
    dagegen sind meist perfekt gestylt und haben
    alle ein Smartphone. Diese Gegensätze möchte
    ich in meiner Malerei ebenso festhalten, wie die
    alltäglichen Momente des Lebens auf der Insel.“

  • VivArt Winter

    Die letzte Ausstellungsreihe von Nanette Scriba, die ihre Aquarell- und Ölbilder präsentierte, fand in der Galerie Lehner in der Mainzer Altstadt statt und konzentrierte sich auf das Leben und die Kultur der Kapverden. Musik, Kunst und Poesie Musik und Malerei machten schon immer einen großen Anteil im Leben der gebürtigen Mainzerin Nanette Scriba aus. Ihr…

  • Wiesbadener Kurier

    Nanette Scriba, Künstlerin und Song-Poetin aus Mainz, präsentiert ihre in den Wintermonaten auf den Kapverden entstandenen Aquarelle auf Leinwand in einer Ausstellung im historischen Riesenfasskeller des Weingutes Georg Müller Stiftung in Hattenheim und tritt dort auch als Interpretin französischer Chansons und eigener Balladen auf. RHEIN MAIN PRESSE Wiesbadener Kurier/Lokales/Kultur / Kultur vor Ort Kultur vor…

  • Allgemeine Zeitung Mainz

    Viele Details in ihren Aquarellen hat Künstlerin Nanette Scriba in ihren Bildern nur angedeutet. Bekannt als Sängerin, Komponistin und Texterin, zeigt sie nun ihr weniger bekanntes Talent in der bildenden Kunst. Ihre Serie „Unterwegs im Licht“, inspiriert von einem Winteraufenthalt auf den Kapverdischen Inseln, fängt flüchtige Momente des Alltags ein. Zentrale Motive sind Kinder und…